Persönlichkeitsentwicklung und Beziehungsmuster

Wenn der Umgang mit sich und anderen schwerfällt

Manche Schwierigkeiten tauchen nicht nur in einzelnen Situationen auf. Sie wiederholen sich in Beziehungen, im Umgang mit Gefühlen und im Bild von sich selbst – obwohl der Wunsch nach Veränderung groß ist.

Persönlichkeitsentwicklung

Wenn vertraute Muster immer wieder zu denselben Schwierigkeiten führen.

Jeder Mensch entwickelt typische Arten, mit Nähe, Konflikten, Unsicherheit und starken Gefühlen umzugehen. Diese Muster geben Orientierung und schützen vor Überforderung. Belastend werden sie, wenn sie sehr starr sind, kaum noch zur aktuellen Situation passen oder Beziehungen und Entwicklungsmöglichkeiten immer wieder einschränken.

Manche erleben intensive Wechsel zwischen Nähe und Rückzug. Andere passen sich stark an, können kaum Grenzen setzen oder bleiben innerlich auf Distanz. Gefühle können überwältigend werden – oder kaum zugänglich sein. Häufig besteht zugleich der Wunsch nach Veränderung und die Erfahrung, in entscheidenden Momenten doch wieder gleich zu reagieren.

In meiner Praxis begleite ich Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 21. Lebensjahr, die unter wiederkehrenden Schwierigkeiten mit Selbstbild, Gefühlsregulation, Beziehungen oder Ablösung leiden.

Erscheinungsformen

Nicht ein einzelnes Symptom, sondern ein wiederkehrendes Muster steht im Vordergrund.

Beziehungen

Nähe wird stark ersehnt und zugleich bedrohlich. Idealisierung, Enttäuschung, Rückzug, Misstrauen oder große Verlustangst können sich abwechseln.

Selbstbild

Das Gefühl für die eigene Person kann instabil sein. Selbstwert, Ziele und Zugehörigkeit verändern sich stark in Abhängigkeit von Situationen und Beziehungen.

Gefühle und Impulse

Affekte werden sehr intensiv, schwer verständlich oder kaum wahrgenommen. Impulsives Handeln kann kurzfristig Entlastung schaffen und später Scham auslösen.

Entwicklung

Persönlichkeit ist nicht abgeschlossen, sondern entwickelt sich in Beziehungen weiter.

Gerade im Jugendalter verändern sich Identität, Körper, Bindungen und Zukunftsvorstellungen. Krisen und Widersprüche gehören zu dieser Entwicklung. Deshalb sollte mit dem Begriff einer Persönlichkeitsstörung bei jungen Menschen sorgfältig und nicht vorschnell umgegangen werden.

Eine diagnostische Einordnung kann dennoch hilfreich sein, wenn Muster über längere Zeit bestehen, in verschiedenen Lebensbereichen auftreten und erheblichen Leidensdruck verursachen. Sie dient dann nicht als Etikett, sondern als Grundlage für ein genaueres Verständnis und eine passende Behandlung.

Psychodynamische Psychotherapie

Erleben, was in Beziehungen bisher nur wiederholt werden konnte.

In einer psychodynamischen Psychotherapie werden wiederkehrende Muster nicht nur besprochen. Sie können sich auch in der therapeutischen Beziehung zeigen: in der Erwartung von Ablehnung, im Wunsch nach besonderer Nähe, in Misstrauen, Anpassung oder Rückzug. Gemeinsam wird versucht zu verstehen, welche Schutzfunktion diese Reaktionen haben und welche früheren Erfahrungen darin fortwirken.

Die Behandlung zielt darauf, Gefühle besser wahrzunehmen und zu regulieren, das eigene Erleben und das anderer differenzierter zu verstehen und Beziehungen weniger ausschließlich nach vertrauten Mustern gestalten zu müssen. Dabei werden vorhandene Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten ausdrücklich mitgedacht.

Eine Diagnose beschreibt keine ganze Person.

Sie kann bestimmte wiederkehrende Schwierigkeiten benennen, ohne Individualität, Ressourcen und Veränderungsfähigkeit festzulegen.

Erstgespräch

Wann eine erste Klärung sinnvoll sein kann.

Ein Erstgespräch kann sinnvoll sein, wenn Beziehungen wiederholt eskalieren oder abbrechen, das Selbstbild stark schwankt, Gefühle kaum steuerbar erscheinen, Selbstverletzung oder impulsives Verhalten auftreten oder Ablösung und Verselbstständigung dauerhaft blockiert sind.

Im diagnostischen Prozess wird sorgfältig zwischen entwicklungsbedingten Krisen, anderen psychischen Erkrankungen und überdauernden Persönlichkeitsmustern unterschieden.

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