Selbstwert, Scham und Selbstkritik

Wenn der Blick auf sich selbst belastet

Sich selbst mit Wohlwollen zu begegnen ist nicht selbstverständlich. Wenn der eigene Wert ständig von Leistung, Aussehen oder der Reaktion anderer abhängt, wird das Verhältnis zu sich selbst fragil.

Erleben

Wenn der eigene Wert ständig neu bewiesen werden muss.

Das Bild, das ein Mensch von sich entwickelt, entsteht in Beziehungen. Anerkennung, Zugehörigkeit und die Erfahrung, mit unterschiedlichen Seiten angenommen zu werden, tragen dazu bei, sich selbst als wertvoll zu erleben. Fehlen solche Erfahrungen oder sind sie an Bedingungen geknüpft, kann der Selbstwert sehr verletzlich bleiben.

Dann reichen kleine Fehler, Kritik oder ein Vergleich, um starke Scham und Selbstabwertung auszulösen. Manche versuchen, durch Leistung, Anpassung oder Kontrolle unangreifbar zu werden. Andere ziehen sich zurück, bevor sie enttäuscht oder abgelehnt werden könnten.

In meiner Praxis begleite ich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 21. Lebensjahr, die sich häufig unzulänglich, falsch oder von der Bewertung anderer abhängig erleben.

Erscheinungsformen

Ein unsicherer Selbstwert kann sehr unterschiedlich aussehen.

Starke Selbstkritik

Fehler werden als Beweis persönlicher Unzulänglichkeit erlebt. Erfolge zählen wenig oder werden dem Zufall zugeschrieben.

Abhängigkeit von Resonanz

Stimmung und Selbstbild verändern sich stark danach, wie andere reagieren, ob sie antworten, loben, wählen oder Nähe zeigen.

Schutz durch Rückzug oder Überlegenheit

Manche machen sich klein. Andere werten sich oder andere auf, um Verletzlichkeit und Scham nicht spüren zu müssen.

Vergleich und Zugehörigkeit

Der Blick auf andere wird zum Maßstab für das eigene Sein.

Schule, soziale Medien, Freundschaften und körperliche Veränderungen bieten unzählige Möglichkeiten zum Vergleich. Belastend wird dies, wenn Unterschiede nicht mehr ausgehalten werden können und der eigene Wert nur noch relativ zu anderen erlebt wird.

Hinter dem Wunsch, besser, schöner, leistungsfähiger oder unabhängiger zu sein, steht häufig die Sorge, sonst nicht gesehen oder geliebt zu werden. Auch scheinbare Gleichgültigkeit gegenüber Anerkennung kann ein Schutz vor der Erwartung sein, ohnehin enttäuscht zu werden.

Psychodynamische Psychotherapie

Ein stabileres Verhältnis zu sich selbst entwickeln.

In der psychodynamischen Psychotherapie wird untersucht, wie das gegenwärtige Selbstbild entstanden ist und in welchen Beziehungen es besonders verletzlich wird. Welche inneren Ansprüche bestimmen den Alltag? Welche Seiten werden verborgen, bekämpft oder beschämt? Und welche Reaktionen anderer werden erwartet?

Im therapeutischen Kontakt können Selbstabwertung, Anpassung, Konkurrenz oder die Angst vor Kritik allmählich erkennbar werden. Ziel ist nicht, sich ständig positiv zu bewerten, sondern unterschiedliche Eigenschaften, Gefühle und Grenzen als zusammengehörig erleben zu können.

Ein tragfähiger Selbstwert bedeutet nicht, immer selbstsicher zu sein.

Er zeigt sich auch darin, Unsicherheit, Fehler und Abhängigkeit aushalten zu können, ohne den eigenen Wert vollständig zu verlieren.

Erstgespräch

Wann eine erste Klärung sinnvoll sein kann.

Ein Erstgespräch kann sinnvoll sein, wenn Selbstabwertung, Scham oder Vergleiche den Alltag prägen, Leistung oder Aussehen übermäßig den eigenen Wert bestimmen, Beziehungen aus Angst vor Ablehnung vermieden werden oder wiederkehrende Krisen nach Kritik und Zurückweisung entstehen.

Im ersten Gespräch geht es darum, die aktuelle Belastung und ihre Entwicklung zu verstehen und gemeinsam zu prüfen, welche Unterstützung hilfreich sein könnte.

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