Soziale Ängste und Rückzug

Wenn Begegnungen mit anderen belasten

Der Wunsch nach Zugehörigkeit kann mit der Sorge verbunden sein, bewertet, beschämt oder abgelehnt zu werden. Dann werden selbst alltägliche Begegnungen zu einer großen inneren Anstrengung.

Erleben

Gesehen werden wollen – und sich zugleich davor fürchten.

Soziale Unsicherheit gehört zur Entwicklung. Neue Gruppen, Referate, Verabredungen oder das Ansprechen fremder Menschen können angespannt machen. Belastend wird es, wenn die Sorge vor Bewertung immer mehr Situationen erfasst und das eigene Verhalten zunehmend bestimmt.

Manche vermeiden Blickkontakt, Gespräche oder gemeinsames Essen. Andere wirken nach außen ruhig und angepasst, während sie innerlich jedes Wort kontrollieren. Häufig wird das eigene Verhalten lange nach einer Begegnung geprüft: War ich komisch? Habe ich zu viel gesagt? Was denken die anderen jetzt über mich?

In meiner Praxis begleite ich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 21. Lebensjahr, die sich in sozialen Situationen stark gehemmt, beobachtet oder ausgeschlossen erleben.

Erscheinungsformen

Soziale Angst kann lautlos bleiben.

Vor Begegnungen

Schon die Erwartung einer Situation kann Übelkeit, Herzklopfen, Schlafprobleme oder den Wunsch auslösen, abzusagen.

In der Situation

Gedanken richten sich stark auf das eigene Auftreten, mögliche Fehler, Erröten, Zittern oder darauf, keinen passenden Satz zu finden.

Danach

Begegnungen werden wiederholt analysiert. Scham und Selbstkritik können noch lange anhalten, obwohl andere kaum etwas Auffälliges wahrgenommen haben.

Zugehörigkeit

Rückzug schützt kurzfristig – und verstärkt oft die Einsamkeit.

Vermeidung entlastet zunächst. Gleichzeitig fehlen dadurch Erfahrungen, in denen Unsicherheit ausgehalten, Zugehörigkeit erlebt oder ein negatives Selbstbild korrigiert werden könnte. So kann sich der Eindruck festigen, mit anderen grundsätzlich nicht zurechtzukommen.

Bei manchen steht weniger die Angst vor einer einzelnen Situation im Vordergrund als ein tieferes Gefühl, anders zu sein oder nicht wirklich dazuzugehören. Auch frühere Beschämung, Ausgrenzung oder Mobbingerfahrungen können gegenwärtige Begegnungen prägen.

Psychodynamische Psychotherapie

Verstehen, was im Kontakt mit anderen so gefährlich wird.

In einer psychodynamischen Psychotherapie wird gemeinsam untersucht, welche Erwartungen an andere und an die eigene Person in sozialen Situationen wirksam werden. Dabei kann es um die Angst vor Kritik, um Scham, hohe Ansprüche an sich selbst oder um widersprüchliche Wünsche nach Nähe und Schutz gehen.

Auch im therapeutischen Kontakt können solche Muster vorsichtig erkennbar werden. Wenn sie verstanden und in einer verlässlichen Beziehung anders erlebt werden, kann es zunehmend möglich werden, sich zu zeigen, ohne sich vollständig kontrollieren oder zurückziehen zu müssen.

Nicht jede Zurückhaltung ist eine Störung.

Entscheidend ist, wie stark das eigene Leben eingeengt wird und welcher Leidensdruck mit den sozialen Situationen verbunden ist.

Erstgespräch

Wann eine erste Klärung sinnvoll sein kann.

Ein Erstgespräch kann sinnvoll sein, wenn die Belastung über längere Zeit anhält, wichtige Lebensbereiche einschränkt oder das Gefühl entsteht, allein nicht mehr weiterzukommen. Zu Beginn muss weder eine Diagnose feststehen noch bereits klar sein, welche Form der Unterstützung passend ist.

Im ersten Gespräch geht es darum, die aktuelle Situation zu verstehen und gemeinsam einzuordnen, welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten.

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